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	<title>Cornelia Füllkrug-Weitzel &#187; Gesundheit/Aids</title>
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		<title>HIV/Aids und Menschenrechte</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Sep 2005 19:43:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CFWAdmin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesundheit/Aids]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Beitrag für das Jahrbuch Menschenrechte 2005  1. Ausgangslage a. Die Zahlen zur Erfassung der von der Pandemie HIV/Aids direkt oder indirekt betroffenen Menschen erhöhen sich schneller, als von der Statistik erfassbar und die Dunkelziffer ist hoch. Zahlen dienen darum mehr der Problemcharakterisierung als der exakten Darstellung: &#8230; <p><a href="https://fuellkrug-weitzel.de/hivaids-und-menschenrechte/" class="more-link"><span class="morelink-icon">Weiterlesen</span></a></p></p><p>The post <a href="https://fuellkrug-weitzel.de/hivaids-und-menschenrechte/">HIV/Aids und Menschenrechte</a> appeared first on <a href="https://fuellkrug-weitzel.de">Cornelia Füllkrug-Weitzel</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Beitrag für das Jahrbuch Menschenrechte 2005</p>
<p lang="en-GB"><span style="line-height: 1.7;"> </span><b>1. Ausgangslage</b></p>
<p>a. Die <i>Zahlen</i> zur Erfassung der von der Pandemie HIV/Aids direkt oder indirekt betroffenen Menschen erhöhen sich schneller, als von der Statistik erfassbar und die Dunkelziffer ist hoch. Zahlen dienen darum mehr der Problemcharakterisierung als der exakten Darstellung:</p>
<p>Gegenwärtig leben 35-42 Mio. Menschen mit Aids, 25,5 Mio. davon in Afrika. Ca. 40 Mio. Menschen sind weltweit bisher an Aids gestorben, davon in Afrika 13 Mio. (2003 alleine 2,2 Mio.) und 12 – 13 Mio. afrikanische Kinder verloren mindestens ein Elternteil dadurch. In den Ländern des gesamten Südlichen Afrika liegt die Infektionsrate zwischen 20% und 39%. Jährlich infizieren sich weltweit ca. 5 Mio Menschen neu mit dem Virus – 58% von ihnen sind jünger als 25 Jahre. Die Infektionsrate unter Schwangeren dieser Altersklasse liegt in den Hauptstädten von 11 afrikanischen Ländern bei mehr als 10%, in 5 Hauptstädten bei mehr als 20%. Länder mit schwachen Ökonomien sind besonders anfällig für die Ausbreitung des Virus und die Pandemie schwächt diese wiederum zusätzlich.</p>
<p lang="en-GB">
<p lang="en-GB">b. Im Juni 2001 fand in New York eine <i>UN-</i>Sondergeneralversammlung zu HIV/Aids statt. Das Schlussdokument &#8220;Global Crisis &#8211; Global Action&#8221; betont, dass die HIV/Aids-Gefährdung nur verringert werden kann, wenn die Menschenrechte und Grundfreiheiten aller Menschen beachtet werden. Zugleich hebt es die Bedeutung der Achtung der Rechte Infizierter als wirksame Maßnahme gegen die Krankheit hervor. Die Abschlusserklärung enthält die Verpflichtung, bis 2003 Gesetze und Maßnahmen zu beschließen, zu verstärken oder durchzusetzen, um jedwede Diskriminierung von Menschen mit HIV/AIDS und von Angehörigen besonders gefährdeter Gruppen zu beseitigen und ihnen die volle Wahrnehmung aller Menschenrechte und Grundfreiheiten zu gewährleisten.</p>
<p><span style="font-family: Verdana, sans-serif;"><span style="font-family: 'Times New Roman', serif;"><span style="font-size: medium;">Der vom UN-Generalsekretär Kofi Annan auf dieser Sondergeneralversammlung vorgeschlagene globale Gesundheitsfonds zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose (GFATM) wurde auf dem G8-Wirtschaftsgipfel im Juli 2001 auf den Weg gebracht und steht für Beiträge von bi- und multilateralen Gebern wie von Unternehmen und Privatpersonen offen. Im System der Vereinten Nationen behandeln WHO und UNAIDS insbesondere Fragen der Prävention, der Bekämpfung und der angemessenen medizinischen Behandlung. Die Menschenrechtskommission geht insbesondere auf Diskriminierungsfragen und den Zugang zu medizinischer Versorgung (Res. 2001/33 der 57. MRK) als Teils des Rechts eines jeden auf das für ihn erreichbare Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit ein (Artikel 12 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte vom 19.12.1966). Zum Recht auf Gesundheit hat die 58. MRK erstmals eine Resolution verabschiedet</span></span><sup><span style="font-family: 'Times New Roman', serif;"><span style="font-size: medium;"><a href="#sdfootnote1sym" name="sdfootnote1anc"><sup>1</sup></a></span></span></sup><span style="font-family: 'Times New Roman', serif;"><span style="font-size: medium;">. </span></span></span></p>
<p><b>2. HIV/Aids als Folge von Menschenrechtsverletzungen</b></p>
<p>Die dramatische Ausbreitung der Pandemie ist ohne Zweifel Ergebnis vielfältiger Verletzungen der WSK-, aber auch der individuellen Menschenrechte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>a. Die Tatsache, dass der Virus in Gesellschaften mit schwachen Ökonomien, hoher Fehl- und Unterernährungsrate, unzureichenden Gesundheits- und Bildungssystemen auf besonders ‚fruchtbaren’ Boden fällt und dass die Menschen dort aufgrund ihrer schwachen Konstitution besonders anfällig für den Virus sind, ist unbestritten. Die vielfache Verletzung der im ‚Internationalen Pakt über <i>wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte</i>’ niedergelegten Rechte auf Ernährung, auf Bildung, auf körperliche und geistige Gesundheit setzen die Bevölkerung in armen Ländern dem Infektionsrisiko in erhöhtem Maße aus: 95% aller Infizierten leben in Entwicklungsländern. Die Allokation von Finanzen zur Bekämpfung von Aids darf darum nie auf Kosten des Kampfes gegen Armut gehen – auch wenn dies eine Tendenz unter Geberländern ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>b. Die Verletzung <i>individueller Rechte</i> trifft besonders auf Personengruppen zu, deren Rechte in der Regel aufgrund ihrer untergeordneten oder anderswie verletzlichen Situation ohnehin bedroht sind.</p>
<p>Allen voran sind hier die <i>Frauen</i> zu nennen.<sup><a href="#sdfootnote2sym" name="sdfootnote2anc"><sup>2</sup></a></sup> Der United Nations Fund for Women (UNIFEM) kam in einer Stellungnahme von 2001 zu dem Ergebnis, dass die HIV/Aids-Epidemie ohne die Diskriminierung und Unterordnung von Frauen niemals dermaßen verheerende Ausmaße hätte annehmen können. In den Ländern des südlichen und östlichen Afrikas ist die Infektionsrate unter Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren 7 mal höher als bei Jungen. Ihre geringe soziale Stellung und ökonomische wie rechtliche Abhängigkeit in vielen Gesellschaften bedeutet in der Regel, dass sie sich unsicherem Sex nicht verweigern können und vielfach sexueller Gewalt ausgeliefert sind. Frauen sind darüber hinaus durch kulturelle Praktiken (wie z.B. Genitalverstümmelung) dem Infektionsrisiko mit Aids in besonderer Weise ausgeliefert. Ferner verfügen sie in der Regel aufgrund ihrer geringeren Chancen auf Bildung über schlechtere Zugänge zu angemessenen und akkuraten Informationen über die Übertragungswege. Auch verweigern vielen Familien aufgrund ihrer vermeintlichen ‚Minderwertigkeit’ Frauen den Zugang zu Behandlung und Pflege häufiger. Die kontinuierliche und systematische Verletzung der in der ‚Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau’ von 1979 verbrieften (isbes. Art. 1, 3, 10, 12 und 14) Rechte von Frauen war und ist wesentlicher Grund für die Verbreitung dieser Krankheit. Prävention und Kampf gegen die weitere Ausbreitung müssen deshalb genau hier ansetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>c. Aber auch die <i>Verletzung der Rechte auf körperliche Unversehrtheit von Kindern, Migrant/innen und Flüchtlingen, ebenso wie von Gefangenen</i>, die im Gefängnis sexueller Gewalt ausgeliefert sind, tragen zur Übertragung bei. Dies gilt ebenso für die durchgängige Diskriminierung von <i>Drogenabhängigen, Homosexuellen und Prostituierten</i> in allen Gesellschaften, die ihnen den Zugang zu Informationen, Tests und zu Behandlung verweigern. Fixer werden durch aggressive Diskriminierung bis hin zu Gewalt zudem von Angeboten sauberer Nadeln und Drogensubstitution abgehalten, oder solche zur Prävention äußerst hilfreichen Dienste werden ihnen erst gar nicht zugestanden. Besonders stigmatisierte und marginalisierte Personengruppen sind nicht nur besonders anfällig für HIV/Aids. Ihre Diskriminierung trägt auch umgekehrt dazu bei, dass HIV/Aids Infizierte stigmatisiert werden, weil diese Personengruppen ohnehin abgelehnt werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2>3. Menschenrechtsverletzungen als Folge von HIV/Aids</h2>
<p>&nbsp;</p>
<p>a. Ebnen Menschenrechtsverletzungen der Pandemie vielfach die Bahn, so gilt auch umgekehrt, dass die Krankheit für weitere Menschenrechtsverletzungen den Boden bereitet. Dies trifft auch in diesem Fall besonders auf die <i>WSK-Rechte </i>zu. Speziell für Afrika gilt: Ganze Berufszweige sind von der Auslöschung bedroht und damit ist die Weiterexistenz der politischen und sozialen Infrastruktur mancher Länder und ihre Nahrungsmittelproduktion nachhaltig gefährdet: Mit den Mitarbeitenden in der Verwaltung, im Bildungs- und Gesundheitssektor, in Entwicklungsprojekten und den Arbeitskräften in der Landwirtschaft sterben auch die Chancen Überlebender auf entsprechende Dienstleistungen und auf die Früchte von Entwicklungsfortschritten ihrer Gesellschaften. Die Ernährungssicherheit vieler afrikanischer Länder nimmt drastisch ab, jede ‚normale’ Dürre kann in besonders von HIV/Aids betroffenen zur Hungerkatastrophe führen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>b. Die <i>Ausgrenzung und Diskriminierung Infizierter</i> und ihrer Angehörigen sowie der angemessene Zugang zu medizinischer Versorgung stellen sicherlich die grundlegendsten menschenrechtlichen Probleme im Zusammenhang der Pandemie dar:</p>
<p>Es ist oft beschrieben worden, welche Folgen die dramatische Stigmatisierung hat: Ausschluss aus der Erbfolge, aus dem Familien- und Dorfverband, aus der Schule, aus jedwedem regulären Arbeitsverhältnis und gesamten gesellschaftlichen Leben bis zum Ausschluss aus christlichen Gemeinden und hin zur Verweigerung angemessener Behandlung, Pflege und Beerdigung. Sie setzt faktisch die Menschenrechte Infizierter außer Kraft. Diese bilden darum im Sprachgebrauch der UN-Menschenrechtskommission eine „besondere Gruppe“, die besonderen Schutzes und besonderer Aufmerksamkeit bedarf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die ungeheure Diskriminierung im Umfeld der Krankheit führt dazu, dass Menschen sich nicht testen lassen oder ihren Status verschweigen und darum die Übertragung nicht durch safer-sex-Praktiken oder Vorkehrungsmaßnahmen im Gesundheitswesen verhindern – und so dazu beitragen, die Krankheit weiter auszubreiten. Sie führt auch dazu, dass Kirchenführer, Politiker/innen, Lehrer/innen und sonstige Autoritätspersonen sich aus Angst vor Vertrauensverlust in der Bevölkerung nicht hinreichend trauen, von der Krankheit und ihren Übertragungsweisen zu sprechen und so zur lebensrettenden Aufklärung und damit dem Schutz der Menschenrechte beizutragen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>c. Besonders negativen Einfluss hat die Pandemie aber auch auf das Lebensrecht (Art.6 der UN-Konvention über die Rechte des Kindes von 19989) und die Entwicklungschancen von Angehörigen Erkrankter und hier besonders von<i> Kindern</i>: Politischer Unwille oder mangelnde Ressourcen führen dazu, dass in einigen Ländern – entgegen Art. 24 der Kinderkonvention &#8211; nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die Mutter-Kind-Übertragung zu verhindern. Dies kostet vermutlich nahezu 50% der Neugeborenen von infizierten Müttern das Leben, die bei entsprechender Medikamentierung und sonstigen Vorkehrungsmaßnahmen gerettet werden könnten. Die Angst vor Diskriminierung bei Bekanntwerden der Infektion selbst in der eigenen Familie erhöht das Infektionsrisiko von Kindern.</p>
<p>Die Rechte nicht-infizierter Kinder in Afrika werden nachhaltig dadurch beeinträchtigt, dass die Altersgruppe ihrer Eltern die Hauptrisikoaltersgruppe für Infektionen stellt. Entsprechend viele müssen als Halbwaise oder Waise aufwachsen und sind – weil auch sie von der Dorf- und/ oder Familiegemeinschaft ausgeschlossen werden – meist ganz und gar auf sich allein gestellt. Ihrer Erbschaft und ihrer Ernährer beraubt, sind die meisten gezwungen, die Schule abzubrechen und oft unter extremen Verhältnissen für minimalen Lohn zu arbeiten. Sie können an keinerlei Gesundheitsprogrammen und sonstigen sozialen Dienstleistungsangeboten teilnehmen, sich nicht ausreichend ernähren, sind schutzlos jeder Form der Gewalt und des Missbrauchs durch Erwachsene ausgesetzt. Aids-Waisen sind nahezu alle ihrer in der ‚UN Konvention über die Rechte des Kindes von 1989’ festgeschriebenen Rechte beraubt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>4. Respekt der Menschenrechte im Umgang mit HIV/Aids</b></p>
<p>Die Herausforderungen für alle Regierungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich der Bewahrung und dem Schutz der Menschenrechte verschrieben haben, liegen damit auf der Hand. Die Zielkonflikte und Dilemmata (wie z.B. von J.M.Vorster beschrieben<sup><a href="#sdfootnote3sym" name="sdfootnote3anc"><sup>3</sup></a></sup>) sind weniger bekannt:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>a. Einerseits muss aus menschenrechtlicher Sicht anerkannt werden, dass das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und mithin auch Geheimhaltung des eignen Status angesichts der immer noch gravierenden Diskriminierung und Verfolgung von Infizierten ein unabdingbares Menschenrecht ist. Darüber hinaus ist es eine wichtige Voraussetzung für freiwillige Tests und damit für eine mögliche Eindämmung der Krankheit. Andererseits kann &#8211; aufgrund der sehr hohen Ansteckungsgefahr bei ungeschütztem Verkehr &#8211; möglicherweise gerade dies einer gravierenden Verletzung des Menschenrechts nichtinfizierter Partner auf Information, auf Gesundheit und auf Leben Vorschub leisten. Ähnliches gilt von HIV/Aids-kranken Schwangeren, deren Neugeborene eine deutlich höhere Lebenschance hätten, wenn dem medizinischen Personal der Status der Mutter bekannt wäre. Den Schwangeren steht aber das Recht auf Verweigerung eines Tests zu. In beiden Fällen ist es die Stigmatisierung der HIV-Kranken und nachfolgend deren grobe Diskriminierung, die das Dilemma provoziert, denn es darf wohl davon ausgegangen werden, dass ohne die Angst vor dem umfassenden gesellschaftlichen Ausschluss Virenträger aus eigenem Antrieb jeden Wert auf den Schutz ihrer Partner und ihrer Kinder legen würden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Schlüssel zur Lösung dieser Dilemmata liegt in einem entschiedenen Kampf gegen Stigmatisierung und Diskriminierung. Ein Kampf, der – wie 2001 von der UN-Sonderversammlung anerkannt &#8211; auf breiter Front geführt werden muss:</p>
<p>- Er muss der ungeteilten Anerkennung der Würde und Menschenrechte der o.g. Personengruppen gelten, die aufgrund ihrer inferioren Stellung und Marginalisierung besonders anfällig für die Übertragung, und der Krankheit besonders ohnmächtig ausgeliefert sind. Ein Ende der Diskriminierung, bzw. Marginalisierung dieser Bevölkerungsgruppen wäre ein entscheidender Beitrag nicht nur zur Bekämpfung der Ausbreitung der Pandemie, sondern auch dazu, den unsinnigen und unproduktiven Interessenskonflikt zwischen den Rechten Infizierter und den Rechten der ihnen nahe Stehenden oder nahe Kommenden aufzuheben.</p>
<p>Freilich erfordert dies vielfach nicht weniger als einen fundamentalen Kulturumbruch (z.B. bezüglich der Stellung und Rechte der Frauen oder der gesellschaftlichen Anerkennung von Homosexualität), der langjähriges Engagement von Menschenrechtsorganisationen und anderen Gruppen der Zivilgesellschaft erfordert. Die o.g. UN-Sonderversammlung zum Thema HIV/Aids und Menschenrechte im Jahr 2001 hat eindrucksvoll demonstriert, wie weit dieser Weg weltweit ist, als eine Gruppe von Staaten (aus dem Nahen Osten, aber auch die USA) die ausdrückliche Erwähnung von Homosexuellen, Prostituierten und Drogenabhängigen als besonders gefährdete und darum zu unterstützende Personengruppen vereitelt haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>- Ferner muss durch Aufklärung und Enttabuisierung ein Kampf gegen die Diskriminierung Infizierter geführt werden, der sie vom Makel der Schuld und Sünde befreit und ihnen den Weg zurück in die Gemeinschaft bahnt. Mit Blick auf die moralische Bewertung haben wertebildende und –vermittelnde Institutionen wie Religionsgemeinschaften, Schulen, Medien eine besondere Verantwortung. ‚Brot für die Welt’ investiert deswegen z.B. viel Aufmerksamkeit, Anstrengungen und Finanzen in einen Wertewandel unter afrikanischen Kirchenführern. Die von den Missionaren überbrachte Sexualethik hat viel zur Doppelmoral und zur Verdammung der Infizierten als ‚Sünder’ beigetragen. Die Kirchen müssen nun auch im Blick auf Aids-Kranke zu Vorkämpfern der Menschenwürde und Menschenrechte werden, was sie vielerorts im Blick auf die politischen Menschenrechte (z.B. unter der Apartheid oder in Diktaturen) schon waren oder gegenwärtig noch sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>b. Die Mittelknappheit fügt den Interessenskonflikten im Zusammenhang mit der Pandemie weitere hinzu: Viele arme Regierungen sehen sich angesichts zu geringer Ressourcen vor die Alternative Prävention zur Verhinderung weiterer Erkrankungen oder Behandlung der Infizierten gestellt. Manche stellen darüber hinaus Berechnungen an, um wie viel teurer humanitäre Hilfe wird und wie viel Menschen darum weniger in deren Genuss kommen können, wenn zur allgemeinen Akutversorgung die noch höheren Nahrungsrationen und Medikamente für Aids-Kranke kommen – die in großen Flüchtlingskrisen u.U. die Hälfte der Betroffenen stellen. Ähnliches gilt für die Vergabe von Stipendien: Bildung für wenige Kranke, deren medizinische Betreuung hohe Kosten verursacht oder für viele Gesunde? Diese Fragen klingen zynisch, stellen aber für Politiker und verantwortlichen zivilgesellschaftlichen Akteure armer Länder echte Gewissensfragen dar. Für manche Regierungspolitiker freilich auch nur billige Ausreden, mit denen sie legitimieren, warum sie die ihnen von der UN-Menschenrechtskommission und dem Gemeinsamen UN-Programm zu HIV/Aids in 1998 in einer entsprechenden Guideline zugeschriebenen Rolle als Staat bei der Bekämpfung und Behandlung von HIV/Aids<sup><a href="#sdfootnote4sym" name="sdfootnote4anc"><sup>4</sup></a></sup> nicht wahrnehmen. Südafrikas langjährige Leugnung des Rechtes auf Behandlung ist ein Beispiel dafür. Ihr Verbot, das Medikament Nevirapine zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung einzusetzen, konnte die Regierung nie wirklich ökonomisch begründen und das Recht auf Behandlung musste durch alle Instanzen hindurch vom Brot-für-die-Welt-Partner ‚Treatment Action Campaign’ juristisch erfochten werden.<sup><a href="#sdfootnote5sym" name="sdfootnote5anc"><sup>5</sup></a></sup></p>
<p>Die Ressourcenfrage bleibt dennoch zentral für die Durchsetzung des Rechtes auf Behandlung, die der Aufforderung zum Test aus der Sicht der Betroffenen erst einen positiven Sinn verleiht. Im WSK-Pakt von 1966 werden die Staaten lediglich verpflichtet, Schritte im Rahmen ihrer verfügbaren Ressourcen zu ergreifen, um das im Art.12 festgeschriebene Recht einer jeden Person auf den höchsten verfügbaren Standard von Gesundheit schrittweise graduell zu gewährleisten. Der finanzielle Spielraum von Entwicklungsnationen ist indes nachweislich sehr begrenzt. Freilich verpflichtet der WSK- Pakt nicht nur einzelne Staaten zum Tätigwerden, was man als Verpflichtung zur Erstellung mindestens eines nationalen HIV/Aids Präventions- und Behandlungsplanes mit zeitlich klar fixierten Umsetzungsfristen interpretieren und einklagen sollte. Vielmehr – und dies wird von Vielen als zentrale Aufgabe im Menschenrechtskampf im Kontext von HIV/Aids gesehen – wird ergänzend auch die internationale Gemeinschaft als Ganze in die Pflicht genommen, die notwendige finanzielle Hilfe zu leisten. Diese Verpflichtung bedürfte zu ihrer Umsetzung eines globalen Finanzierungs- und Aktions-Plans zur Bekämpfung von HIV/Aids. Dieser müsste u.a. ausreichend Finanzen für die pharmazeutische Forschung zur Entwicklung effektiverer Medikamente und eines Impfstoffes zur Verfügung und den globalen Zugang zu den grundlegenden Medikamenten oder – falls einmal vorhanden – Impfstoffen und flächendeckende Test- und Beratungsprogramme sicherstellen.<sup><a href="#sdfootnote6sym" name="sdfootnote6anc"><sup>6</sup></a></sup></p>
<p>Der 2001 gegründete Globale Fond (GFATM) sollte diesem Zweck dienen, gilt indes als stark unterfinanziert. Weder die Regierungen der traditionellen Gebernationen, noch der private Sektor haben bisher die in sie gesetzten Erwartungen auf Finanzierung dieses Instrumentes der Private-Public-Partnership erfüllt: Pharmaunternehmen neigen eher zur Preisreduktion &#8211; speziell wenn sie damit gerichtliche Auseinandersetzungen über die Preisgestaltung antiretroviraler Medikamente verhindern oder Diskussionen im Rahmen der WTO über die Lockerung des Patentrechtes und die Herstellung und dem Import von Generika herunterkühlen können. Oder sie finanzieren spezielle Anti-Aids-Programme im Umfeld ihrer Produktionsstätten in besonders betroffenen Regionen. Beides hat wenig mit der Durchsetzung der Rechte Infizierter auf Behandlung zu tun. Regierungen andererseits spielen seit langem mehr mit Zahlen als die notwendigen umfangreichen Zahlungen an den Globalen Fond zu veranlassen. Dieses geringe Interesse an der – finanziell vergleichsweise leicht erreichbaren &#8211; Durchsetzung der Menschenrechte incl. des Rechts auf Leben für Millionen Menschen im Süden (und zunehmend Osten) steht in erschütterndem Kontrast zu den Ausgaben im Kontext des Antiterrorkampfes nach dem 11. September. Was die Frage nach der Anerkennung der universellen Gültigkeit der Menschenrechte bei manchen Regierungen des Westens aufwirft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div id="sdfootnote1">
<p><span style="font-family: Verdana, sans-serif;"><span style="font-size: xx-small;"><a href="#sdfootnote1anc" name="sdfootnote1sym">1</a> <span style="font-family: 'Times New Roman', serif;"><span style="font-size: medium;">(</span></span><span style="color: #336699;"><span style="font-family: Verdana, sans-serif;"><a href="http://www.unhchr.ch/"><span style="font-family: 'Times New Roman', serif;"><span style="font-size: medium;">www.unhchr.ch</span></span></a></span></span><span style="font-family: 'Times New Roman', serif;"><span style="font-size: medium;">, </span></span><span style="color: #336699;"><span style="font-family: Verdana, sans-serif;"><a href="http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/aussenpolitik/menschenrechte/mr_inhalte_ziele/mrb6/teil_a/6/6_1_html"><span style="font-family: 'Times New Roman', serif;"><span style="font-size: medium;">A 6.1</span></span></a></span></span><span style="font-family: 'Times New Roman', serif;"><span style="font-size: medium;">). </span></span></span></span></p>
<p lang="en-GB">
</div>
<div id="sdfootnote2">
<p><a href="#sdfootnote2anc" name="sdfootnote2sym">2</a> Siehe hierzu u.a.: WHO Fact Sheet No.247, June 2000 ‘Human Rights, women and HIV/Aids.</p>
</div>
<div id="sdfootnote3">
<p><a href="#sdfootnote3anc" name="sdfootnote3sym">3</a> J.M.Vorster, HIV/Aids and Human Rights, in: Ecumenical Review, <span style="color: #ff0000;">No.???, Vol.???? ….</span>2003, S.345-361</p>
</div>
<div id="sdfootnote4">
<p><a href="#sdfootnote4anc" name="sdfootnote4sym">4</a> United Nations, HIV/Aids and Human Rights: International Guidelines, Geneva, UN, 1998</p>
</div>
<div id="sdfootnote5">
<p><a href="#sdfootnote5anc" name="sdfootnote5sym">5</a> <span style="font-size: small;">Das südafrikanische Verfassungsgericht hat im Juli 2002 letztinstanzlich der Klage von TAC gegen die Regierung wegen Verletzung des Rechtes auf Leben recht gegeben und diese zur Zulassung des Mittels in allen Krankenhäusern und zur Aufstellung eines nationalen Behandlungsplanes gezwungen.</span></p>
</div>
<div id="sdfootnote6">
<p><a href="#sdfootnote6anc" name="sdfootnote6sym">6</a> siehe hierzu auch: Kenneth Roth, Human Rights and the Aids Crisis: The Debate over Resources, delivered on July 11,2000, at the plenary session of the XIII International Aids Conference, Durban/RSA</p>
</div>
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		</item>
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		<title>Kirche und Aids. Glaube. Würde. Glaubwürdig sein.</title>
		<link>https://fuellkrug-weitzel.de/kirche-und-aids-glaube-wuerde-glaubwuerdig-sein/</link>
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		<pubDate>Thu, 29 May 2003 19:04:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CFWAdmin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesundheit/Aids]]></category>
		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>ÖKT: Podiumsdiskussion im Zentrum Positiv am 29.5.03 Einführungsstatement von Pfn. C.Füllkrug-Weitzel, Direktorin von Brot für die Welt  Was ist Kirche im Angesicht von Aids? lautet die Frage, die uns heute auf den Weg gegeben ist. 1. Zunächst eher Teil des Problems, als Teil der Lösung. Weltweit &#8230; <p><a href="https://fuellkrug-weitzel.de/kirche-und-aids-glaube-wuerde-glaubwuerdig-sein/" class="more-link"><span class="morelink-icon">Weiterlesen</span></a></p></p><p>The post <a href="https://fuellkrug-weitzel.de/kirche-und-aids-glaube-wuerde-glaubwuerdig-sein/">Kirche und Aids. Glaube. Würde. Glaubwürdig sein.</a> appeared first on <a href="https://fuellkrug-weitzel.de">Cornelia Füllkrug-Weitzel</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p align="JUSTIFY">ÖKT: Podiumsdiskussion im Zentrum Positiv am 29.5.03<b><br />
</b>Einführungsstatement von Pfn. C.Füllkrug-Weitzel, Direktorin von Brot für die Welt</p>
<p> Was ist Kirche im Angesicht von Aids? lautet die Frage, die uns heute auf den Weg gegeben ist.</p>
<p><b>1.</b> Zunächst eher <b>Teil des Problems</b>, als Teil der Lösung. Weltweit ist das Thema Aids in den Kirchen noch immer tabuisiert, weil es mit vielen kulturellen, aber auch christlichen Tabuthemen verbunden ist. Auch in Deutschland haben die Kirchen noch immer so viele Vorurteile und Berührungsängste gegenüber dem Thema, wie sie es gegenüber den besonderen Risikogruppen haben: Homosexuelle, Drogenabhängige, Prostitutierte und Stricher werden als ‚soziale Problemgruppen’ und daher ausschließlich diakonisch wahrgenommen und in mancher Hinsicht nicht wie jeder andere Mensch auch in der Kirche behandelt (Stichwort ‚Trauung homosexueller Paare’). Darum liegt das ‚selbst schuld’ schnell auf der Hand, wenn es um HIV/Aids geht. Rund um die Welt fällt Christen beim Stichwort Aids nicht Krankheit, sondern Sünde, moralisches Versagen, Promiskuität – und z.B. in Russland – auch noch Kriminalität ein. Das gilt auch in Deutschland: Ich erhalte in meiner Eigenschaft als Direktorin von ‚Brot für die Welt’ nicht wenige Briefe von Gemeindechristen, in denen über die Krankheit als ‚gerechter Strafe Gottes’ gesprochen und wir – unter der Androhung, im Falle der Zuwiderhandlung die Einzugsermächtigung zu kündigen &#8211; aufgefordert werden, den Kampf gegen Aids nicht zu unterstützen. Auch unter Christen in Deutschland ist also noch immer nicht allgemein anerkannt, dass Aids eine Krankheit ist und dass Verhaltensweisen, die zur Infektion führen, entscheidend mit Fragen von gesellschaftlicher Macht und Kontrolle, mit Fragen struktureller Gewalt und sozialer Gerechtigkeit zu tun hat und erst in zweiter Linie mit biologischen Anlagen und individuellen moralischen Werten.</p>
<p>Diese Missinterpretation in unseren eigenen Reihen führt dazu, dass wir uns nicht hinlänglich für die Würde und Rechte der von der Krankheit betroffenen Menschen einsetzen und sie alleine lassen mit ihren vielfachen gesundheitlichen und sozialen Problemen. Sie leistet auch der gesellschaftlichen Stigmatisierung und Diskriminierung der Erkrankten Vorschub, was heute weltweit als das größte Problem im Kampf gegen Aids gilt. Und sie führt dazu, dass wir zentrale Zusammenhänge übersehen und wesentliche Aufgaben in der Aidsprävention weltweit vernachlässigen.</p>
<p>2. Die Kirchen haben eine ungeheure <b>Verantwortung </b>angesichts von Aids, weil sie als Hüterinnen der Moral, als Wertemittler gelten.</p>
<p>a) Sie haben aufgrund dieser Autorität eine besondere Verantwortung und Chance dafür, die Krankheit vom Geruch der Sünde zu befreien und die Opfer endlich schuldfrei zu sprechen – so wie Jesus die Frage zurückgewiesen hat, ob der &#8230; selbst schuld sei, oder seine Eltern. Keiner hat sich Aids ausgesucht und keiner hat die Krankheit ‚verdient’. Jesus klagt nicht an und grenzt nicht aus, er stellt vielmehr die Würde jedes Menschen wieder her und heilt zerbrochene und gestörte Gemeinschaften, er tritt ein für Gerechtigkeit.. Wenn die Kirchen weltweit zur Lösung beitragen wollen und nicht länger Teil des Problems bleiben wollen, so müssen sie endlich umgekehrt die Ausgrenzung und Diskriminierung Sünde zu nennen, weil sie gegen den Willen Gottes sind. Es ist an der Zeit, mit der Suche nach Schuldigen für diese Krankheit und mit Schuldzuweisungen an die Betroffenen aufzuhören und stattdessen das öffentliche Bewusstsein darauf zu lenken, welche gesellschaftlichen und kulturellen Mechanismen die rasende Verbreitung ermöglichen und Leute zu Opfern machen – besonders Frauen und Kinder. Es geht um das Überleben ganzer Nationen und Gesellschaften und deshalb auch um gesellschaftliche, ökonomische und politische Ursachenbekämpfung: D.h. es geht weltweit z.B. um Armutsbekämpfung und Ernährungssicherheit, um Beendigung der internationalen Schuldenkrise, um den Kampf dagegen, dass die Preisgestaltung von Medikamenten für die Pandemie sich noch immer am Profit und weniger an der Überlebenssicherung orientieren, um ein Ende der Diskriminierung, Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen und der Gewalt gegen sie.</p>
<p>b) Die Kirchen sind auch für die massive Doppelmoral im Bereich Sexualität verantwortlich. Aus Sorge um die Aufrechterhaltung der eigenen Moralvorstellungen und Dogmen, stellen sie sich nicht der Realität vor- und ausserehelicher Beziehungen und sexueller Gewalt und gehen nicht offen mit ihr um &#8211; zum Nachteil vor allem der Frauen. Sie tragen so dazu bei, den Mantel des Schweigens noch fester um alles zu hüllen, was mit der Übertragung der Krankheit zu tun hat. Ihr Festhalten an den hohen ethisch-moralischen Idealen und kirchlichen Dogmen als einzige Antwort auf die Frage der Transmission trägt zur Verunsicherung der Menschen über die Verhütung bei.</p>
<p>3. Die Kirchen haben im Kampf gegen Aids – jedes Einzelnen und der Welt – eine ungeheure, wohl die beste<b> </b>Waffe:<b> das Evangelium vom Leben</b>!</p>
<p>a) Es deckt das Ausmaß dieser so nachhaltig geleugneten größten gegenwärtigen Todesbedrohung der Menschheit auf – täglich sterben in Subsahara-Afrika immerhin 6.300 Menschen daran und man rechnet, dass die Krankheit bis 3010 an die 60 Millionen Tote gekostet haben wird! – und protestiert gegen die Ignoranz der ‚Herrschaftsvölker’, die nur Anlass zum Handeln oder zur Finanzinvestition sehen, wenn das Leben der eigenen Bevölkerung bedroht ist (siehe 11.September und Folgen). Von welchen Toten ‚spricht man’? Die Kirchen haben der Todesbedrohung durch die Pandemie eine Vision vom Leben in Fülle und eine starke Hoffnung entgegenzusetzen. Das ist eine der stärksten Kraftquellen und Motivation für den persönlichen und den weltweiten Kampf gegen die angsteinflössende Zerstörungskraft der Krankheit. Der Glaube an die frohe Botschaft macht gegen jedes Gerede von Schicksal immun und sucht und findet die Wege, der Verbreitung von Aids die Stirn zu bieten. Bei Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle. Allen Menschen mit Worten, eigenem Verhalten und diakonischem Tun zu verkünden, dass Jesus Leben bedeutet und dass er alles, was den Tod will und bringt unter seine Füße getan, besiegt hat und darum auch diese schreckliche Krankheit besiegbar ist &#8211; das ist ihr Auftrag und ihr besonderer Lösungsbeitrag. So fördert sie die Bereitschaft, mit allen Kräften Lösungsmöglichkeiten zu fördern.</p>
<p>b) Mit der Versöhnungsbotschaft Jesu haben die Kirchen ferner Grund und Vorbild, alles, was die Menschen von Gott und von ihren Mitmenschen trennt, zu überwinden und die von uns errichteten Barrieren und Machtasymmetrien weg zu wischen zwischen Kranken und Gesunden, Männern und Frauen, Menschen verschiedner sexueller Orientierung, verschiedener Kulturen, zwischen sog. ‚Sündern’ und ‚Heiligen’, Insidern und Ausgegrenzten. Mit Jesus und in seinem Auftrag kann sie das Schuldprinzip aufheben und Diskriminierung und Stigmatisierung ein Ende setzen. Er versöhnt und heilt und die Kirche in seiner Nachfolge hat eben diese Mission, diese Chance und diese Kraft.</p>
<p>4. Die Kirchen sind auch darüber hinaus <b>bestens geeignet</b>, der Ausbreitung der Seuche und der Resignation in ihrem Gefolge Einhalt zu bieten: Weltweit sind sie fast in jedem Winkel der Erde in lokalen Strukturen verwurzelt. Sie verfügen über einen beträchtlichen Grad von Vertrauen und Glaubwürdigkeit bei den Menschen und haben Zugang zu vielen Menschen. Sie organisieren weltweit die Frauen und die Jugend. Sie sind darum hervorragend in der Lage, Gemeinschaften zu informieren, zu orientieren und zu mobilisieren, sich für Präventionsmaßnahmen zu öffnen und sich an der Betreuung von Betroffenen zu beteiligen.</p>
<p>Sie verfügen weltweit über unendlich viele sozialdiakonische Einrichtungen und Infrastrukturen im Gesundheitsbereich, sowie über Millionen Haupt- und Ehrenamtlicher, die in der Aufklärung, der Beratung und seelsorgerlichen Begleitung, der Behandlung und Pflege Kranker und der Unterstützung von Waisen und Witwen eine gewaltige Rolle spielen können. Schätzungsweise jeder weltweit 3. &#8211; wenn nicht jeder zweite &#8211; Aidskranke wird in einer Einrichtung und von Mitgliedern christlicher Kirchen versorgt. Die weltweite Christenheit hat in vielen Regionen und auf UN-Ebene das Gehör politisch Verantwortlicher und stellt eine mächtige Lobbykraft dar. Die weltweite Ecumenical Advocacy Alliance und das Nationale Aktionsbündnis gegen Aids stellen das gerade unter Beweis.</p>
<p>Die Kirchen haben weltweit begonnen, alle diese ihre Ressourcen zu mobilisieren – wenn sie sie voll nutzen und entfalten werden, werden sie einen mächtigen Wendepunkt in der Geschichte der Pandemie herbeiführen können!</p>
<p>4. Was ist die Kirche angesichts von Aids? Sie steht der Krankheit nicht bloß von Angesicht zu Angesicht gegenüber: <b>Aids prägt auch das Angesicht der Kirche</b>. Christus hat sich nicht nur allen Ausgegrenzten und von Todesmächten umfangenen Menschen zugewandt und hat sich an ihre Seite gestellt. Er hat sich mit ihnen ganz direkt identifiziert (s.Mt.25). In den Aidsinfizierten begegnen wir auch Christus, er trägt ihre Züge.</p>
<p>a) Das Angesicht der weltweiten Gemeinschaft der Kirchen selbst ist aber auch ganz real von Aids geprägt: 42 Millionen Menschen weltweit sind Aids-infiziert. 25-30 Millionen davon mögen getaufte Christen sein. Aids ist also kein Problem von ‚denen da draußen’, kein Problem der sündigen Welt, das vor der ‚Gemeinschaft der Heiligen’ halt gemacht hat. Nicht einmal vor dem Klerus &#8211; auch wenn infizierter Würdenträger zweifelsohne das beste gehütetste Geheimnis und die Tendenz, einschlägige Krankheitssymptome umzudeuten, hier am höchsten ist.</p>
<p>Die Kirchen sind dadurch in ihrer Lebens-, Verkündigungs- und Handlungsfähigkeit sowohl direkt wie indirekt betroffen: Klerus und Laien, das Personal kirchlicher Verwaltungen, Entwicklungsprojekte, Schulen und Krankenhäuser ist erkrankt, geschwächt, stirbt. Häusliche Pflegepflichten, Zweitjobs, weil weitere Ernährer der Großfamilie gestorben sind, häufige Beerdigungsteilnahme lassen ihre Leistungsfähigkeit sinken. Wenn in Afrika damit gerechnet wird, dass ganze Berufszweige ausgelöscht werden und die Zahl arbeitsfähiger ausgebildeter Menschen in Verwaltung und sozialen Diensten sich bis 2005 halbiert, wenn im Subsahara-Afrika die Lebenserwartung schon um 15 Jahre gesunken ist und weiter sinkt – wie könnte dann nicht die Lebenserwartung ihrer haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter und ihrer Studierenden und die Fähigkeit der Kirchen zu Verkündigung und Dienst permanent sinken?</p>
<p>b) “Die Kirche hat Aids!“ Es ist Zeit, dass Kirchenleitungen weltweit – auch um den Preis von Image- und Mitgliederverlust &#8211; sich vor den eigenen Gemeinden und vor der breiten Öffentlichkeit dazu bekennen – vielleicht in einer neuen ‚Standing for the Truth’-Campaign. Es ist gut, dass damit in Afrika und Asien bereits begonnen wurde. Genau das würde und wird helfen, die Mauer des Schweigens und der Diskriminierung zwischen den sog. Heiligen und den sog. Sündern einzureißen. Es ist Zeit, dass die Kirchen sich endlich zu den Kranken in ihren eigenen Reihen bekennen, sich bei ihnen entschuldigen für angetanes Unrecht, den Erkrankten einen gleichberechtigten Raum in ihrem Leben und Dienst einräumt, eine Heimat, wo sie geborgen sind und sich angenommen fühlen können und wo sie zurück zu ihrer Würde finden können, ein Ort, wo ihr Leiden mitgetragen und ihre Rechte verteidigt werden. Eine Kirche, die akzeptiert, dass die von ihr verkündeten Ideale selbst von den eigenen Gliedern und Amtsträgern vielfach nicht in die Praxis umgesetzt werden, der Realität sexueller Beziehungen in der gegebenen soziokulturellen Umgebung nicht entsprechen und offensiv versucht, diesen Zwiespalt zu thematisieren und zu heilen, könnte auch einen wichtigen Beitrag in der Kondomfrage leisten, bei der es in Zeiten von Aids ja nicht um eine Frage der Moral, sondern um eine Frage von Leben und Tod geht.</p>
<p>c) Mag die Aussage ‚die Kirche hat Aids’ auch besonders für die Kirchen in Afrika gelten, wie könnten wir hier uns von ihr distanzieren, ohne die Gemeinschaft mit erkrankten Gemeindegliedern in der eigenen Kirche und ohne die ökumenische Gemeinschaft mit der weltweiten Christenheit aufzukündigen und damit unsere Identität als weltweiter und konfessionsübergreifender Leib Christi zu verleugnen? Gilt doch: Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder! Wir sind ‚untereinander Glieder’ (Eph.4,25) vom Geist zu einem Leib zusammengefügt, ob wir es wollen oder nicht, untrennbar miteinander verbunden, aufeinander angewiesen in Freud und Leid, zu einem verantwortlichen Leben innerhalb der Gemeinschaft aufgerufen. Aids ist unser gemeinsames Problem als Kirchen Christi und als Gemeindeglieder rund um die Welt. Das Problem der Infizierten und der Nicht-Infizierten gemeinsam. Weder Moral noch Kontinentgrenzen noch Einzelkelche helfen uns, uns von dem Problem zu distanzieren. Was tun wir also, um unsere Geschwister weltweit in ihrem Kampf gegen die tödliche Pandemie zu unterstützen?</p>
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