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	<title>Cornelia Füllkrug-Weitzel &#187; Geistliches</title>
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		<title>„Worauf warten wir?“</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Nov 2011 18:34:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CFWAdmin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Meditation zum Advent „Worauf warten wir?“ /Predigttext: Off. 5, 1-5 Für die Zeitung ‚Unsere Kirche‘, 11/2011 Pfn. Cornelia Füllkrug-Weitzel/ Brot für die Welt „Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben innen und außen, versiegelt mit sieben Siegeln. Und &#8230; <p><a href="http://fuellkrug-weitzel.de/worauf-warten-wir/" class="more-link"><span class="morelink-icon">Weiterlesen</span></a></p></p><p>The post <a href="http://fuellkrug-weitzel.de/worauf-warten-wir/">„Worauf warten wir?“</a> appeared first on <a href="http://fuellkrug-weitzel.de">Cornelia Füllkrug-Weitzel</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Meditation zum Advent „Worauf warten wir?“ /Predigttext: Off. 5, 1-5<br />
Für die Zeitung ‚Unsere Kirche‘, 11/2011 Pfn. Cornelia Füllkrug-Weitzel/ Brot für die Welt</p>
<p>„Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben innen und außen, versiegelt mit sieben Siegeln. Und ich sah einen starken Engel, der rief mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen? Und niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun und hineinsehen. Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch aufzutun und hineinzusehen. Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel.“ [Buch der Offenbarung, Kapitel 5, Verse 1-5]</p>
<p>Lebkuchen, Weihnachtsmann, strahlender Lichterglanz – alles schon da lange vor Weihnachten. Konsumwünsche schon längst erfüllt. Worauf eigentlich noch warten im Advent? Auf eine Antwort auf unsere quälendsten Fragen!</p>
<p>Ende Oktober habe ich einen Mitarbeiter beerdigt: Herztod mit Mitte 30. Dieser Tage wird sein zweites Kind zur Welt kommen. Schon auf die medizinische Frage nach dem Warum gibt es keine Antwort. Auf die verzweifelten Fragen und Klagen der Familie erst recht nicht: Warum nur musste er so jung sterben? So vor der eigenen Zeit und der seines Kindes?</p>
<p>Warum dürfen Hass und Gewalt so triumphieren? Eine Frau nach der anderen erzählte mir im Ostkongo die Geschichte ihrer Vergewaltigung – durch Soldaten oder Rebellen. Egal: alle Männer nehmen sich hier das Recht, brutal zu missbrauchen. Liebevolle Söhne und Familienväter – Bestien gegenüber fremden Mädchen und Frauen, selbst Großmüttern. Grausame, schreckliche Szenen. Warum bietet keiner solcher Verrohung und Gewalt Einhalt? Als Antwort blieb mir nur, mit ihnen zu weinen.</p>
<p>Die verheerende Dürre in Ostafrika, unter der gegenwärtig 11 Millionen Menschen leiden, wurde seit einem Jahr vorhergesagt. Viele haben davor gewarnt, als noch Zeit gewesen wäre. Zeit, dem Verenden der Tiere und dem Hungertod von Menschen etwas entgegen zu setzen. Aber die Gebergemeinschaft hat weggeschaut. Warum? Warum liefern wir so viele Menschen weltweit und in Ostafrika dem Hungertod aus? Obwohl doch genug für alle da ist?</p>
<p>Warum mussten Millionen Menschen in Pakistan alles verlieren – in Fluten, die ihnen der Klimawandel unter das Haus gespült hat? Auch mit Vorhersage! Aber wen kümmert das, wenn man für 39 Euro zum Shoppen nach London fliegen kann? Wen kümmert der CO2 Ausstoß des eigenen Adventsvergnügens? Warum handeln wir nicht entsprechend unserem Wissen? So stehen wir vor den Schnäppchen, mit denen wir zur Mittäterschaft an Klimakatstrophen verführt werden.</p>
<p>So viele unbeantwortete Warums: “Niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun und hineinsehen.“ Keiner kann uns die Antwort geben, die unser Weinen beenden würde. Keiner dringt hinter die Geheimnisse des Lebens. Trotz allem Fortschritt von Medizin und Hirnforschung. Trotz Zugang zu allen Informationen im Internet. Mit diesem erschütternden Eingeständnis fängt der Predigttext an – fängt am Ende der Totentage auch der Advent an.</p>
<p>Und der Text endet wie der Advent mit einem allumfassenden Jubel aus allen Kehlen, aus dem nichts und niemand ausgeschlossen bleibt – vom „Himmel und auf Erden und unter der Erde und im Meer und allem, was darinnen ist.“ Dem Weihnachtsjubel darüber, dass es einen gibt, der würdig und in der Lage ist, das Buch zu öffnen! „Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel.“ Dass der Tag kommt, ja schon gekommen ist, an dem das Buch, das uns endlich Antworten gibt, offen ist. Dass es darum nicht nötig ist, alle Fragen verstummen zu lassen. Dass wir uns nicht abfinden müssen mit allem Tod und Not. Dass Resignation angesichts der übermächtigen Triebkräfte der Ungerechtigkeit keine Antwort ist.</p>
<p>Dessen sind wir gewiss und auf ihn hoffen wir im Advent. Darüber jubeln wir schon und handeln als Jubelnde – auf die Geburt dessen hin, der uns und unserem Handeln Sinn gibt. Während nur Unsinn zu sehen ist, berufen wir uns auf das Versprechen von Sinn. Danach strecken wir uns aus. Inmitten ungelöster Überlebensfragen bereiten wir die Feier des Lebens in Fülle für Alle, der getrockneten Tränen, des Friedens auf Erden. Und darum ist die Eröffnung von „Brot für die Welt“ im Advent.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>‚Gib uns unser täglich Brot’</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Jul 2008 19:58:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CFWAdmin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistliches]]></category>
		<category><![CDATA[Positionen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Auch wen wir es immerzu beten: Eigentlich ist das doch eine sehr unpassende Bitte: Brot ist eine Selbstverständlichkeit. Das kann sich jeder selbst leisten. Haben wir das denn nötig, darum noch irgend jemanden zu bitten? Satt werden wir auch ohne fremde Hilfe. Und um Sättigung geht &#8230; <p><a href="http://fuellkrug-weitzel.de/gib-uns-taeglich-brot/" class="more-link"><span class="morelink-icon">Weiterlesen</span></a></p></p><p>The post <a href="http://fuellkrug-weitzel.de/gib-uns-taeglich-brot/">‚Gib uns unser täglich Brot’</a> appeared first on <a href="http://fuellkrug-weitzel.de">Cornelia Füllkrug-Weitzel</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wen wir es immerzu beten: Eigentlich ist das doch eine sehr unpassende Bitte:</p>
<p>Brot ist eine Selbstverständlichkeit. Das kann sich jeder selbst leisten. Haben wir das denn nötig, darum noch irgend jemanden zu bitten? Satt werden wir auch ohne fremde Hilfe.</p>
<p>Und um Sättigung geht es heute zutage beim Brotkauf auch gar nicht mehr: Kraftbroft, Fitbrot, Mehrkornbrot, Kartoffelbrot…. Hilft das Brot, die Jugend und Figur zu wahren, Darmkrebs vorzubeugen, Verstopfung entgegenzuwirken etc.? Das sind die entscheidenden Fragen. Wir reden heute von ‚Funktionsnahrungsmitteln’.</p>
<p>Tja, und da gibt es neuerdings sogar noch ein ‚Brot für die Welt’- Brot. Auch das ist ein Funktionsnahrungsmittel, hat über die Sättigung (und den guten Geschmack) hinaus noch andere Funktionen: man tut Gutes damit, weil ein Teil des Geldes ein Spende für ‚Brot für die Welt’ ist. Was aber noch wichtiger ist: es ist aus 5 Körnern aus 5 Kontinenten gebacken. Damit soll es daran erinnern, was Menschen in allen 5 Kontinenten traditionell zum Leben hatten und brauchen. 5 Körner, um die Menschen rund um die Welt noch beten – weil sie die Basis ihres Überlebens sind. Sie bitten täglich darum, weil für sie diese Basis keineswegs selbstverständlich ist. Nicht jeder kann sie sich selbst verdienen oder hat auf sie ein Recht als Bezieher sozialer Unterstützung oder Rente. Wohl zählt Nahrung zu den Grundrechten, die fast alle Regierungen der Welt in internationalen Menschenrechtspakten unterzeichnet haben. Dennoch ist für Millionen Menschen die tägliche Nahrung unselbstverständlich. Mehr als190 Millionen Kinder leiden an lebensbedrohlicher Unterernährung, weitere 230 Mio sind durch Fehl- und Unterernährung in ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung gehemmt. Nahezu 30% der Weltbevölkerung, 840 Millionen Menschen, gelten als chronisch Hunger leidend.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>5 Körner sind in dem Brot für die Welt-Brot vereint, um die Menschen rund um den Erdball noch beten, weil sie noch eine Erinnerung daran haben, dass es einen gibt, an den sie diese Bitte richten dürfen: ‚Gib uns unser täglich Brot’! Eine Instanz, die sie nicht schulterzuckend abweist, oder ihnen zynisch selbst die Schuld für ihren Hunger zuweist. Gehör und Hilfe erwarten die Hungernden selten von der eigenen Regierung – die ist oft machtlos, selbst zu arm. Z.B. weil ein übermäßiger Teil des Nationaleinkommens – in einigen Fällen bis zu 2/3 – wieder als Schuldendienst das Land verlassen muss und Banken und ihren Aktionären bei uns gutgeschrieben wird. Die Banken des Nordens nehmen mehr Zinsen von armen Ländern ein, als durch staatliche und kirchliche Entwicklungshilfe aus dem Norden je zu den armen Ländern geflossen ist. Und die Regierungen der armen Länder haben auch noch ganz andere Sorgen – z.B. eine jährliche Zuwachsrate an HIV/Ais-Infizierten von 20-25% wie im südlichen Afrika, die die gesamten Ressourcen des Landes zu verschlingen drohen. Oder sie haben andere Prioritäten, kaufen lieber Waffen, führen lieber Krieg – wie Äthiopien im vorvergangenen und vergangenen Jahr – trotz Dürre und darum Hungerkatastrophe.</p>
<p>Diese eine Instanz, von der Hungernde sich Unterstützung erwarten, ist meist auch nicht die Völkergemeinschaft. Die nimmt den Hunger nur manchmal als Problem wahr. Meistens erst, wenn die Menschen auf der Flucht sind vor der Dürre, dem Hunger, die sich lange angekündigt haben, von der Welt aber ignoriert wurden.</p>
<p>Viele Menschen am täglichen Rande des Verhungerns, vor allem Frauen und Kinder, wissen, dass Gott Erbarmen hat. Sie wissen, dass wenigstens oder mindestens ihn ihr Hunger rührt, ihn berührt. Sie wissen, dass man ihn bitten kann, weil er sich bitten lässt. Die Bibel ist voll Geschichten, in denen Gott den Hungernden beisteht: dem Volk Israel auf der Wüstenwanderung, das von Gott mit dem täglichen Manna erhalten wird; der Witwe mit dem Jungen am Bache Krith, die Hungers stürben, wenn Gott nicht den Propheten Elisa, selbst ein hungernder Gottesmann, zu ihr führen würde, der ihr letztes Öl und Mehl vermehrt; ganz ähnlich der Witwe, die dem Propheten Elisa begegnet, der anschließend auch noch die Masse des hungrigen Volkes mit zwanzig Broten speist – so wie später Jesus die 5000 armen Fischer und Bauern am See Genezareth, die gekommen sind um Jesus zuzuhören und deren Hunger Gott dauert. Gott wenigstens sieht ihre Not und greift immer wieder zugunsten der Hunger Leidenden ein. Er stärkt sie und erhält sie am Leben, er schenkt ihnen Zukunft. Ja, er geht sogar noch weiter und macht sich ihren Hunger zur eigenen Sache. Gott identifiziert sich mit denen, die Hunger leiden müssen: ‚ich war hungrig und du hast mir nichts zu essen gegeben’, sagt Jesus im Endgericht.</p>
<p>Gott hat Mensch und Tier ‚siehe, sehr gut’ geschaffen, wie es in der Schöpfungsgeschichte heißt – und nicht für den Irrsinn – wie es anderswo in der Bibel heißt. Nicht für den schnellen frühen Hungertod, nicht für das Leiden. Der alles, was lebt ins Leben gerufen hat, hat ihm ein Leben ohne Mangel zugedacht. Er ist es nicht, der den Menschen Nahrung verweigert. Ihm kann man nicht in die Schuhe schieben, dass Menschen das täglich Brot nicht haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wenn wir beten: ‚Gib uns unser täglich Brot’, dann setzen wir gläubig voraus: er tut es und er kann uns unser täglich Brot auch geben. Und Gott hat uns in der Tat Ressourcen genug an die Hand gegeben, um die ganze Welt zu ernähren. Hunger muss heute zutage niemandes Schicksal sein: Nach Auskunft von Wissenschaftlern stehen pro Kopf der Weltbevölkerung täglich etwa 2700 Kalorien zur Verfügung. Das Problem beginnt mit dem Zugang zu diesen Ressourcen und mit ihrer Verteilung. (In Industrieländern liegt der jährliche Getreideverbrauch bei 650 kg pro Kopf, wobei mehr als die Hälfte ans Vieh verfüttert wird, in Entwicklungsnationen bei 140 kg. Bei den Menschen vieler E-länder kommt 2-3 mal im Jahr Fleisch auf den Tisch, in manchen Industrieländern geht der Fleischverbrauch über 90 kg im Jahr hinaus!)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und nun wird die zweite Symbolebene des ‚Brot für die Welt’-Brotes interessant, das ich vorhin erwähnte: Dieses Brot aus 5 Körnern ist eine Erinnerung daran, dass wir in Deutschland unsere Nahrung aus allen Kontinenten, vom globalen Agrarmarkt, beziehen. In Zeiten der Globalisierung bedienen wir uns der Böden und Fanggründe der Welt. Unser Bedürfnis nach neuem Gaumenkitzel und dem gesundesten und schlank machendsten Essen lässt uns die Welt durchstreifen auf der Suche nach den besten Früchten der Erde und selbst die Äcker der Armen nicht verschonen. Die Jagd der Lebensmittelhersteller nach neuen Marktanteilen und unsere Sucht nach Abwechslung, nach immer neuen Geschmackserlebnissen, bedingen einander: In meiner Kindheit waren Bananen und Orangen die Sensation und Kostbarkeit, die es nur an besonderen Feiertagen oder bei Krankheit gab. Heute sind sie längst Allerweltsprodukte, rund um das Jahr eine Selbstverständlichkeit auf unseren Tellern. Wir haben uns an einen grenzenlosen Essstil gewöhnt – grenzenlos nach Ort und Zeit. Erdbeeren im Winter, Lachsbrötchen in jeder Kantine, Krabben, Shrimps, Garnelen auf jedem Salat – alles schon gar nicht mehr wert, nur bei besonderen Anlässen serviert zu werden. Schon zum Alltag verkommen.</p>
<p>Auf guten Anbauflächen in Entwicklungsländern, die für eine vielfältige Nahrungsmittelerzeugung für die eigene Bevölkerung geeignet wären, werden zunehmend Exportgüter für die Industriestaaten angebaut. Die Versorgung der einheimischen Bevölkerung leidet darunter. Unterernährung und Hunger sind die Folgen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beispiel Shrimps: Die natürlichen Vorkommen daran sind begrenzt, der Fang im Meer ist aufwendig. Also waren Shrimps eine kostbare, teure Delikatesse. Dass wir alle uns heute Shrimps auf der Tiefkühlpizza von Aldi leisten können, ist nur möglich durch die massenhafte künstliche Aufzucht von Krabbenlaich. Die geschieht auf Großfarmen in den Küstenregionen vor allem Asiens und Lateinamerikas.</p>
<p>Dort wird jede zweite Krabbe unter hohem Verbrauch von Wasser, Schädlings- und Desinfektionsmitteln und Antibiotika mit Fischmehl und anderen Futtermitteln für unser ‚Tischleindeckdich’ gemästet. Nun denken Sie vielleicht: das ist doch gut für die Armen, wenn sie durch Export Geld einnehmen können. Leider ist das nicht so: Diese sog. ‚blaue Revolution’ nützt nur den wenigen Agro-Unternehmen, die meist international tätig sind und in den Industrienationen ansässig. Die Bewohner der Küstenregionen, Bauern und Fischer, aber gehören zu den Verlieren. Ihr täglich Brot essen wir mit unseren Shrimps gleich mit. Die Shrimpsfarmen brauchen nämlich große Anbauflächen. Häufig werden viele Kleinbauern dafür mit Hilfe der Polizei von ihrem Land vertrieben, denn die Regierung hofft durch die Exportwirtschaft an Devisen ranzukommen. Vor allem Reisfelder zur Ernährung der heimischen Bevölkerung fallen den Shrimpsfarmen zum Opfer, die Kleinbauern verlieren ihre Ernährungsbasis und müssen abwandern in die Städte. Das Salzwasser, mit dem die Reisfelder geflutet wird, versalzt auch die angrenzenden Brunnen und Felder noch mit und macht sie auf Jahrzehnte unbrauchbar. Die Abwässer der Shrimpsfarmen verschmutzen das Küstengewässer und die Mangrovenwälder als Brutstätten von Fischen und anderen Küstentieren und zerstören so auch noch die Einkommensbasis der Küstenfischer. Manche Fisch- und Shrimpsfarmen werden auch direkt im Küstengewässer angelegt, so dass den Fischern der Zugang zu ihren traditionellen Fanggründen im Meer versperrt ist und das Meereswasser verseucht wird. Nach ungefähr fünf Jahren sind die natürlichen Ressourcen erschöpft und zerstört, die Shrimpsfarmen ziehen weiter und hinterlassen eine ökologische Wüste. Wo Menschen früher ihr täglich Brot fanden, lebt, wächst und gedeiht mindestens ein Jahrzehnt lang gar nichts mehr und die landlos gewordenen Bauern sind Slumbewohner geworden.</p>
<p>Hunger: Kein dunkles Schicksal also, sondern von Menschen gemacht. Mit dem Massenkonsum exotischer Lebensmittel aus fernen Ländern tragen Menschen in den Industrienationen ohne es zu wissen dazu bei, dass Kleinbauern in anderen Teilen der Welt kein Land mehr für den Anbau der Lebensmittel zum eigenen Überleben haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und nun wird der Plural in unserer Vaterunserbitte interessant. Es heißt ja nicht: gib mir mein täglich Brot, sondern gib <span style="text-decoration: underline;">uns unser</span> täglich Brot. Gott schenkt nicht mir, sondern uns Ernährungssicherheit. Das täglich Brot ist eine kollektive Gabe an das ganze Volk Gottes, an alle, die den Vater Jesu Christi auch ihren Vater nennen. Nicht, dass damit diejenigen vom Genuss des Brotes ausgeschlossen wären, die sich nicht zum Volk Gottes dazuzählen möchten. Das nicht, sondern: das Volk Gottes ist dasjenige Volk, das zum Teilen verpflichtet ist mit allen Menschen egal welchen Glaubens. Es ist dasjenige Volk, das durch einen anderen Umgang mit den Ressourcen, durch Teilen, dem Hunger entgegenwirken kann. Erinnern wir uns der zuvor erwähnten Geschichten von Elia, Elisa, Jesus: Gott erbarmt sich der Hungernden, bewahrt Frauen und Kinder, Fischer und Bauern vor dem Hunger, indem er ihnen Menschen schickt, die das Wunder des Teilens vollbringen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Das ist die dritte Symbolebene, an die wir mit dem ‚Brot-für die Welt-Brot’ erinnern wollen: Brot ist das Symbol des Teilens: Bei jedem Abendmahl erinnert es uns, dass Gott mit uns das Leben seines Sohnes geteilt hat, um uns Leben zu schenken. Das geteilte und gemeinsam verzehrte Brot am Tisch des Herrn ist das Brot des Lebens. Man kann das Brot des Lebens und den Kelch des Heils nicht empfangen, wenn man sie nicht teilt. Sie brauchen und sie stiften Gemeinschaft. Leben in seiner ganzen Fülle wird uns geschenkt, wo wir teilen. Die Verheißung des Lebens und ewiges Lebens erfüllt sich für uns, indem/wenn wir mit anderen teilen. Die Verheißung des täglichen Brotes und die Verheißung des Lebens in Fülle passen nicht zusammen wie das Baguette und der Lachs obendrauf. Sie passen vielmehr zusammen wie Essen in Gemeinschaft mit anderen und in der Erwartung der Gegenwart Gottes. Von einem solchen Essen, egal wie viel auf dem Teller liegt, geht eine tiefe und umfassende Befriedigung und ein Frieden aus, die unendlich mehr sind als die schnelle und oberflächliche Befriedigung eines raffinierten Gaumenkitzels.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Brot ist auch noch in anderer Hinsicht ein Symbol des Teilens: Brot ist etwas höchst vergängliches. Schnell wird es alt und ungenießbar. Man kann es nicht horten. Darum die Bitte: gib uns unser täglich Brot. Es reicht zum Leben für einen Tag, zum satt werden an einem Tag. Man kann davon nichts aufheben, keine Schätze anhäufen, damit keinen gewinnträchtigen Handel betreiben. Erinnern Sie sich an das Manna bei der Wüstenwanderung – am Abend war es bereits vergammelt. Die geringe Haltbarkeit des Brotes erinnert daran, dass Gottes Kinder nicht ein Übermaß ansammeln, sondern teilen sollen, damit alle genug haben. Was Gott gibt, hilft allen zum Leben, wenn es geteilt wird.</p>
<p>Wer versucht, seine Gaben für sich allein zu behalten und anzusammeln, wer versucht, sich ein Übermaß zu horten, verdirbt nicht nur die Gaben. Er verdirbt auch sein eigenes und der anderen Seelenheil. Er verdirbt und verrät seinen und der anderen Glauben. Gott gibt dem jammernden Volk Israel in der Wüste, dem das tägliche Manna nicht genügt und das den Fleischtöpfen Ägyptens nachtrauert, Wachteln, bis es ihnen aus dem Hals rausfährt, wie es so schön heißt, und schlägt sie dann im Zorn.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Aber was heißt heute Teilen? Natürlich heißt es nach wie vor Spenden. ‚Brot für die Welt’ist 1959 als Organisation gegründet worden, die den Menschen im Süden mit Spenden und Kollekten hilft, sich selbst zu helfen und die eigene Lage zu verbessern. Und nach wie vor unternimmt ‚Brot für die Welt“ vielfältige Anstrengungen, um auf diese Weise weltweite Ernährungssicherung zu erreichen. Insbesondere fördert „Brot für die Welt“ die ökologisch angepasste, sozial verträgliche und ökonomisch tragfähige Nahrungsproduktion in den sogenannten Entwicklungsländern. Zum Beispiel durch Sicherung der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln, durch Maßnahmen zur gerechten Verteilung von Land, zur Verhinderung der Landflucht und zur Erhaltung der Artenvielfalt. Mit Programmen zur Landwirtschafts-, Gesundheits-, Ausbildungs- und Handwerksförderung unterstützt „Brot für die Welt“ seit Jahren erfolgreich Entwicklungsprozesse, die den Bedürfnissen der heute lebenden Menschen gerecht werden, ohne die Ernährungssicherheit kommender Generationen zu beschneiden. In Zeiten der Globalisierung ist dies zwar nach wie vor sehr wichtig, aber nicht mehr genug. Wir müssen nicht nur etwas von unserem Überfluss abgeben, sondern uns weltweit für ein faires Teilen der Ressourcen der Erde und für gerechte weltweite Wirtschaftsbeziehungen einsetzen. Darum setzt Brot für die Welt sich auch ein für Schuldenerlaß, für fairen Handel und für einen anderen Lebensstil, der sich bescheidet mit den eigenen Ressourcen der Region und nicht die Böden, die Güter der ganzen Welt dem eigenen Genuss und der eigenen Gier unterwirft ohne Rücksicht darauf, was dies für die Menschen anderswo bedeutet. So versuchen wir, neben Lobbyarbeit bei Politikern auch die Bevölkerung über die Auswirkungen unserer eigenen Nahrungs- und Konsumgewohnheiten auf die Ernährungssicherung andernorts aufzuklären- z.B. durch unser ‚Eine-Welt-Projekt Mahlzeit’. Nicht um ihnen ein schlechtes Gewissen beim Kaufen und Essen zu machen, sondern um ihnen ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten auch als Konsumenten aufzuzeigen: Verbraucher/innen haben eine Chance, haben die Macht, durch ihr Kauf- und Konsumverhalten mit zur weltweiten Ernährungssicherheit beizutragen. Auch das heißt mit den Hungrigen teilen: auf einen Luxus zu verzichten, der nur auf Kosten anderer möglich ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit Gott in Frieden leben kann nur der, der im Unfrieden liegt mit einer Welt, die einerseits Hunger erzeugt und andererseits Überfluss. „Was Du einem von diesen nicht getan hast, das hast Du mir nicht getan.“ Man kann Gott nicht an den Hungernden vorbei lieben und dienen. Darum wollen wir ihn zugleich mit der Bitte um unser täglich Brot auch noch um mehr bitten:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Unser Vater,</p>
<p>gib uns heute unser täglich Brot.</p>
<p>Das täglich Brot alleine ist nicht genug.</p>
<p>Gib uns auch ein Herz, das zufrieden ist mit dem,</p>
<p>was Du uns in Deiner Liebe gegeben hast und gibst.</p>
<p>Mehr als das:</p>
<p>Willst Du uns nicht neue Hände geben,</p>
<p>die das tägliche Brot brechen und austeilen unter die,</p>
<p>die nichts zu essen haben?</p>
<p>Amen</p>
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		<title>Die Speisung der Fünftausend (Joh. 6,1-15)</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jul 2007 19:58:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CFWAdmin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>5000 arme, hungrige Gestalten – was tun? Barmherzig sein, sie versorgen – schlagen die Jünger vor. Geld zum Lebensmitteleinkauf wäre da. Wir haben’s doch – Geld und Gelegenheiten zuhauf, Hilfsgüter zu beschaffen – warum tun wir’s nicht einfach: Gutes Gewissen und allen geholfen. So stellen sich &#8230; <p><a href="http://fuellkrug-weitzel.de/speisung-fuenftausend-joh-61-15/" class="more-link"><span class="morelink-icon">Weiterlesen</span></a></p></p><p>The post <a href="http://fuellkrug-weitzel.de/speisung-fuenftausend-joh-61-15/">Die Speisung der Fünftausend (Joh. 6,1-15)</a> appeared first on <a href="http://fuellkrug-weitzel.de">Cornelia Füllkrug-Weitzel</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>5000 arme, hungrige Gestalten – was tun? Barmherzig sein, sie versorgen – schlagen die Jünger vor. Geld zum Lebensmitteleinkauf wäre da. Wir haben’s doch – Geld und Gelegenheiten zuhauf, Hilfsgüter zu beschaffen – warum tun wir’s nicht einfach: Gutes Gewissen und allen geholfen. So stellen sich viele Hilfe für Hungrige vor und wundern sich, warum die Diakonie Katastrophenhilfe nicht auch mit Transallmaschinen voll Nahrungsmitteln fliegt.</p>
<p>Jesus verweigert den Ankauf von Gütern. Er fragt die Hungrigen: Was habt ihr selbst? Er schärft ihr Bewusstsein für die eigenen Potentiale. Und siehe da: fünf Brote und zwei Fische! Nicht ausreichend, zu unbedeutend, um dabei anzusetzen? Lächerlich, die Ressourcen der Armen – statt mit ihnen zu kleckern, lieber gleich mit dem eigenen Reichtum klotzen? Der Spender will sehen, wie mit seinem Geld unmittelbar die Armen satt und glücklich werden?</p>
<p>Die eigenen Ressourcen der Menschen &#8211; in Jesu Augen die entscheidenden Ressourcen! Wenn sie Hoffnung haben und bereit sind, selbst „mehr-Wert“ daraus zu machen. Wenn man sie etwas damit machen lässt. Jesus regt an, sich zum Essen in Gruppen hinzusetzen. Erwartungsvoll. Im Kreis, wo man einander mit seinen Bedürfnissen im Auge hat. Wo man miteinander reden kann. Wo auch das Teilen kleiner Mengen Sinn macht. Selbstorganisation in Gemeinschaften, die zur Überlebensökonomie hilfreich sind.</p>
<p>Und Jesus nimmt, was vorhanden ist – und segnet es! Gibt dem Brotbrechen seinen Segen! Da geschieht das Wunder: Die begrenzten Mittel der Armen sind in Gottes Augen nicht nutzlos, sie sind verheißungsvoll! Der Segen verleiht ihnen Würde. Hoffnung, Aufwertung der Macht und Möglichkeiten der Armen, solidarische Gemeinschaft des Teilens, Würde &#8211; so beginnt das Reich Gottes unter uns! Unsere Hilfe sollte dem niemals in den Weg treten, sondern Raum dazu geben. Das versuchen wir in der Diakonie Katastrophenhilfe und bei „Brot für die Welt“!</p>
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		<title>Warum ist Brot für die Welt im Advent?</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Dec 2002 19:45:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CFWAdmin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistliches]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Dezember 2002 Warum ist Brot für die Welt im Advent? 1. Als 1959 die ‚Aktion Brot für die Welt’ von allen Landes- und Freikirchen gemeinsam aus der Taufe gehoben wurde, war der Wiederaufbau weitgehend abgeschlossen und der ‚Konsumrausch’ hatte die westdeutsche Gesellschaft erfasst. Viele Christinnen und &#8230; <p><a href="http://fuellkrug-weitzel.de/warum-ist-brot-fuer-welt-im-advent/" class="more-link"><span class="morelink-icon">Weiterlesen</span></a></p></p><p>The post <a href="http://fuellkrug-weitzel.de/warum-ist-brot-fuer-welt-im-advent/">Warum ist Brot für die Welt im Advent?</a> appeared first on <a href="http://fuellkrug-weitzel.de">Cornelia Füllkrug-Weitzel</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Dezember 2002</p>
<p>Warum ist Brot für die Welt im Advent?</p>
<p>1. Als 1959 die ‚Aktion Brot für die Welt’ von allen Landes- und Freikirchen gemeinsam aus der Taufe gehoben wurde, war der Wiederaufbau weitgehend abgeschlossen und der ‚Konsumrausch’ hatte die westdeutsche Gesellschaft erfasst. Viele Christinnen und Christen – und besonders im Umfeld des Hilfswerkes der EKD (dem nachmaligen Diakonischen Werk) sahen mit Sorge, wie die bundesdeutsche Gesellschaft sich zum Tanz um das ‚Goldene Kalb’ statt um die Krippe formierte. Dabei war ihnen sehr bewusst, wie unselbstverständlich die rasche ökonomische Erholung des Westens Deutschlands war: Mit dem Marschallplan, der umfangreiche Investitionen der Siegermacht USA ermöglichte und dem Londoner Schuldenabkommen von 1951, das die Bundesrepublik von ihrer Auslandsschuldenlast befreite, hatte die westdeutsche Wirtschaft die denkbar günstigsten Rahmenbedingungen für den wirtschaftlichen Aufschwung erhalten. Viele vom Krieg zerstörte und vor allem die vielen überschuldeten Ländern wünschen sich vergeblich so eine Chance.<br />
Gleichzeitig erreichte Ende der Fünfziger die Dekolonisation ihren Höhepunkt: Erstmals drangen in diesem Zusammenhang in großem Umfang Bilder und Nachrichten über das Ausmaß der Armut im Süden der Welt an die bundesdeutsche Öffentlichkeit. Sie machten deutlich, dass es anderen Menschen auf der Erde weit schlimmer geht als den Deutschen. Und dies galt selbst für die – dank hoher Reparationsleistungen an die Siegermacht UdSSR – schlechteren Verhältnisse in der DDR und trieb die Christen dort ebenso um wie im Westen: Schon die Ungleichzeitigkeit des Wiederaufbaus in Ost und West weckte einen Hilfsimpuls und warf Fragen nach den sog. externen Faktoren und nach der Gerechtigkeit auf. Erst recht galt dies nun für die neu ins Bewusstsein tretende Nord-Süd-Kluft. Welche Verantwortung und Aufgabe hatten Deutsche und hatten Christen in diesem Kontext und welche wollten sie wahrnehmen?1<br />
Man suchte mit der Aktion 1959ein Zeichen der Dankbarkeit für das eigene Wohlergehen und für die erfahrene weltweite Hilfe und Großherzigkeit zu setzen. Die Adventsaktion 1959 sollte daran erinnern, dass der wachsende Reichtum in Deutschland ebenso wenig unser eigener Verdienst ist, wie die Armut im Süden selbst verschuldet ist: beide haben mit ungleicher Verteilung von Gütern zu tun, von der wir profitieren. Sie sollte aber auch ein Zeichen des versöhnenden Handelns der westlichen Kirchen angesichts ihrer Schuld im Kontext der Kolonialgeschichte2 setzen. Durch Fürbitte und Dankopfer wollte man die Gemeinden in die Gemeinschaft der Solidarität mit den Hungernden der Welt stellen und in die Mitverantwortung für die Nöte der Welt rufen.<br />
Innehalten und Umdenken, Dank, Buße und Neuaufbruch durch solidarisches Teilen der Güter der Welt – diese Motive und Ziele der Aktion ‚Brot für die Welt’ wiesen auf die Adventszeit als Hauptaktionszeitraum. Und weisen es noch immer, denn Anlässe und Motive der Aktion bestehen auch heute noch fort.<br />
2. Zum anderen stellt die Adventsbotschaft Motivation und Glaubensbasis der Arbeit von ‚Brot für die Welt’ dar. Durch die Barmherzigkeit Gottes „wird uns das Licht aus der Höhe besuchen, damit es denen erscheint, die in Finsternis und Schatten des Todes sitzen und unsere Füße auf den Weg des Friedens lenkt“ (Lk.1,78b-79). Es waren Hirten auf einem Feld bei Betlehem Efrata, einer der kleinen und unbedeutenden Städte des Reiches (Micha 5,1), an denen Macht und Reichtum gewöhnlich vorbeilaufen, denen dieses Licht in finsterer Nacht als erstes erschien. Arme Menschen, der Hitze des Tages und der Kälte der Nacht schutzlos ausgeliefert, ohne sauberes Wasser, ausgeschlossen von Bildung und Gesundheitswesen. Menschen ohne Perspektive über den Tag hinaus, ohne Lobby und Einfluss. Und damit beginnt die frohe Botschaft bereits wahr zu werden: (Jes.9, 5-6). Gott sieht sie und hört ihr Seufzen und Klagen, auf sie wird in dem Reich des neugeborenen Königs der Lichtkegel der Aufmerksamkeit ruhen, er lässt sie an seine Krippe rufen, sie sollen seine Günstlinge sein. Dieser König wird seinen Reichtum und seine Macht nicht auf ihrer Rechtlosigkeit und nicht auf Ungerechtigkeit ihnen gegenüber aufbauen. Ihre Nacht wird nicht ewig sein, sie ist schon am Schwinden. Der Advent zündet das Licht der Hoffnung für die Elenden an: in ihrer Mitte wird der neue Herrscher der Welt geboren, unter ihnen beginnt der neue Himmel und die neue Erde Gestalt anzunehmen. Das ist die frohe Botschaft!<br />
„Wenn Sie von der frohen Botschaft für die Armen und Ausgegrenzten reden, dann behaupten Sie doch, Jesus habe nur einer kleinen randständigen Gruppe Befreiung und Heil gebracht? Aber unser Evangelium gilt doch nicht nur wenigen Auserlesenen!“ In unseren Augen, von unserer Warte und Perspektive aus, wirken die Hirten auf dem nächtlichen Felde wie eine Randgruppe und sie sind ausgegrenzt. Aber sie repräsentieren mit ihren Lebensverhältnissen die Mehrheit der Menschen auf dieser Erde: Sie stehen für die 4,4 Milliarden Menschen, die ihr Dasein mit bis zu zwei Dollar am Tag fristen. Sie repräsentieren die 14 Millionen Menschen, die im vergangenen Advent im Südlichen Afrika von einer der schwersten Hungersnöte getroffen waren und nicht wussten, ob und wie sie Weihnachten noch erleben würden – ohne dass die Welt davon Notiz nahm. Sie kennen die Finsternis, wie die über 40 Millionen HIV-Aids-Infizierten weltweit, 29 Millionen davon in Afrika, die ausgeschlossen aus jeder Gemeinschaft und ohne irgendwelche Unterstützung auf den Tod warten. Keiner will sie gekannt haben. Die Hirten sind sogar noch besser dran als über 100 Millionen landlose Bauern mit ihren Familien in Brasilien, die von ihrem Grund und Boden vertrieben wurden und über Jahre durch das Land wandern ohne Heimat. Besser als das Millionenheer der Straßenkinder in Manila, Bukarest, Mexiko, Moskau und all den anderen Metropolen dieser Erde, täglicher Gewalt und ständigem Überlebenskampf ausgesetzt. Diesen Millionen allen verkündigen die Engel, dass ihre Zeit gekommen ist, weil Gottes Zeit gekommen ist. Kein Dunkel kann sie mehr halten. Wir können ihre und unsere Realität in einem neuen Licht sehen.<br />
Nach den Rezepten und Gesetzen dieser Welt gibt es kaum Wege aus dieser Finsternis. Die Globalisierung polarisiert die Welt noch mehr in erfolgreiche Marktteilnehmer und Staaten, Regionen, Gegenden, Menschen, die dort nichts zu suchen, weil nichts zu bieten haben – außer ihrer nackten Haut. Und so geraten neuerdings immer mehr Menschen wieder in Sklaverei: Kinder als Soldaten oder Arbeitsklaven und Frauen als Zwangsprostitutierte. Es gibt keinen Grund für die Annahme, die Welt werde in einer steten Fortschrittsbewegung immer humaner, friedlicher etc. und der Süden ‚entwickele’ sich stetig. Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und –schuld, doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. „Wir haben seinen Stern gesehen!“ – wer das sagen kann, lebt ein anderes Leben. Diesen Stern, diese Botschaft: „Gott hat Euch nicht vergessen! Er liebt euch!“ will die Aktion Brot für die Welt den Armen und Ausgegrenzten aufscheinen lassen, indem sie in Deutschland zu zeichenhafter Solidarität zwischen uns Reichen und den Armen und zum Teilen von Ressourcen und Liebe einlädt, weil Gott mit uns teilt.<br />
Und diese Zeichen werden sehr wohl verstanden. Ich denke an eine Frau die in einem Verschlag am Rande eines Slums in Harare auf einem Haufen Lumpen dem Aids-Tod entgegen dämmert. „Dass also die Welt mich wahr nimmt, dass mein Tod jemanden in der Welt interessiert !“ hat sie zu Tränen des Glücks gerührt, als wir sie besuchten. Auch wenn unsere Partnerorganisation in Zimbabwe, ihr kein Medikament mitbringen konnte, das die Wende zum Leben bringt. Aber sie erfuhr von Stund an in den letzten Wochen ihres Lebens wenigstens tägliche Zuwendung und Liebe, sowie Pflege, ein wenig Nahrung und gemeinsames Gebet. Sie durfte erfahren, dass sie von Gott geliebt und nicht allein gelassen und aufgegeben ist, nachdem ihre Eltern sie nach dem Aids-Test auf die Straße geworfen hatten und ihre Gemeinde sie exkommunizierte.<br />
Der Advent korrigiert unsere Weltbilder. Im Advent stellt Gott Andere als die Schönen, Gesunden, Reichen und Einflussreichen, die in der täglichen Werbung als Norm dargestellt werden, ins ‚Rampenlicht’ der Heilsgeschichte. Und er lässt Schatten auf die Tatsache fallen, dass in unserer Welt z.B. 10 Milliardäre &#8211; zehn menschlichen Wesen ! -, über ein Nettovermögen verfügen können, das größer ist, als die Summe der Sozialprodukte der 48 ärmsten Länder der Erde. Keiner kann uns mehr erzählen, dass wir das als normal oder auch nur unabänderlich hinnehmen müssen.<br />
Wer dem Stern folgt, dem erscheint die Welt im Lichte Gottes: Plötzlich erkennen wir, dass wir uns an den Rand gestellt haben mit unserem ungeheuren Wohlstand. Und wir hören im Advent die Einladung, uns vom Rand zur Mitte zu bewegen, zur Krippe, wo wir gemeinsam mit den Hirten niederknien und uns in Augenhöhe und Gemeinschaft mit ihnen wiederfinden. Wohin wir unsere Güter und Gaben tragen, die dort genauso viel wert sind, wie die Gaben der Armen. Im Advent richtet Gott unsere skandalös verkehrte Welt, richtet sie neu ein und richtet unsere Füße auf den richtigen Weg: den Weg des Friedens und der Gerechtigkeit. Auch das will die Aktion Brot für die Welt noch heute ver</p>
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		<title>Predigt Weihnachten 2001</title>
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		<pubDate>Sun, 16 Dec 2001 19:46:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>CFWAdmin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistliches]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>„Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: obwohl er reich war, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich werdet..“ (2.Kor. 8,9) Liebe Gemeinde, „Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Christus“. Na, ja. Zumindest wissen wir, worauf wir gewartet haben &#8230; <p><a href="http://fuellkrug-weitzel.de/predigt-weihnachten-2001/" class="more-link"><span class="morelink-icon">Weiterlesen</span></a></p></p><p>The post <a href="http://fuellkrug-weitzel.de/predigt-weihnachten-2001/">Predigt Weihnachten 2001</a> appeared first on <a href="http://fuellkrug-weitzel.de">Cornelia Füllkrug-Weitzel</a>.</p>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p align="JUSTIFY">„Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: obwohl er reich war, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich werdet..“ (2.Kor. 8,9)</p>
<p align="JUSTIFY">
<p align="JUSTIFY">Liebe Gemeinde,</p>
<p align="JUSTIFY">„Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Christus“. Na, ja. Zumindest wissen wir, worauf wir gewartet haben den ganzen Advent lang. Dass der König der Ehren einziehe, auf dessen Schulter alle Herrschaft ruht. Der Großartige, der Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friedefürst. Wir haben im Glanz der immer mehr werdenden Lichter den Abglanz des Himmels gesucht und das Strahlen des Siegers. Haben auf den gewartet, der das Gedröhn der Militärstiefel zum Schweigen bringt, der den Löwen zum Lamm macht und schreiender Ungerechtigkeit ein Ende setzt. Ganz stark und konkret war diese Hoffnung dieses Jahr, weil so bitter nötig angesichts des mörderischen Ringens um Gerechtigkeit weltweit und im Nahen Osten. Vier Wochen lang haben wir gehofft und gebetet, dass unser Gott dazwischen geht und den ganz großen Durchbruch bringt, die machtvolle Wende &#8211; jetzt. Bilder von Stärke, von Allmacht, von Glanz und Gloria haben unser Warten bestimmt. Bilder, an denen man sich stärken und aufrichten kann in diesen niederschmetternden Zeiten. Wir kannten die Gnade Gottes, um die wir gefleht haben.</p>
<p align="JUSTIFY">
<p align="JUSTIFY">Aber dann? Wohin hat uns Weihnachten geführt?</p>
<p align="JUSTIFY">Zum Kind in der Krippe. Einem erbarmungswürdigen Kind ohne Dach über dem Kopf, von allen abgewiesen. Einem zarten Säugling in einem unsterilen und zugigen Stall – ungeschützt und wehrlos preisgegeben allen Mächten und Gewalten. Verfolgt und in die Flucht getrieben von der Stunde seiner Geburt an. Zu einem armseligen Wesen, das nicht besser dran als die Neugeborenen in den afghanischen Bergen, deren Mütter selbst zu wenig zu essen haben, um Milch zu produzieren, weil der Krieg die Nahrungsmittellieferungen in die Berge vor dem Wintereinbruch vereitelt hat. Nicht besser dran, als ein Säugling in den Slums von Buenos Aires, dem nachts die Ratten übers Gesicht laufen und der von Dauer- Durchfall geplagt wird, weil seine Regierung kein Geld für Wasserleitungen und für die medizinische Versorgung der Bevölkerung hat. Zu hoch sind die Schuldendienstleistungen an internationale Banken, die seit Jahrzehnten am Land verdienen. Kaum besser dran als die Bauernkinder, deren Familien nun nach der Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation WTO ihr Land und damit jedwede Existenzgrundlage verlieren und hungernd durch das Land ziehen werden – von Experten geschätzte 180 Mio. Familien! Nur knapp besser dran als das palästinensische Kind, das dieser Wochen kurz vor Bethlehem &#8211; wenige Meter vom Stall entfernt &#8211; mitsamt seiner Mutter an einem der zahllosen neuen israelischen Checkpoints bei der Geburt sterben musste, weil das israelische Militär der Schwangeren die Weiterfahrt nach Bethlehem ins Krankenhaus über Stunden verwehrt hat. Blockadepolitik.</p>
<p align="JUSTIFY">
<p align="JUSTIFY">Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die wir &#8211; laut Paulus &#8211; kennen sollten, ist so ganz anders, als das, was wir für nötig halten, um das Elend in diesen Gegenden der Welt zu wenden, um der Ungerechtigkeit und Gewalt weltweit ein Ende zu setzen. Kommt er doch nicht als Allmächtiger, sondern als Ohnmächtiger, nicht als Nothelfer, sondern als Notleidender, nicht als prachtvoller, glänzender Held, sondern als ein weiterer Wehrloser, der wie ein Schaf zur Schlachtbank geführt werden wird, ein weiterer aus dem Heer der Habenichtse und Ausgegrenzten. Die Unmenschlichkeit der Umstände seiner Geburt unterscheidet sich nicht von der von Milliarden Kindern auf der Erde, die unter Hunger, Armut, Krieg Verfolgung leiden. Auf seiner Krippe liegt schon der Schatten des Kreuzes, eines gewaltsamen, Gott verhassten Todes, wie er milliardenfach erlitten wird auf dieser Welt.</p>
<p align="JUSTIFY">
<p align="JUSTIFY">Was hat das mit Gnade zu tun? „Obwohl er reich war, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich werdet“.</p>
<p align="JUSTIFY">Gott vergisst in seinem unvergleichlichen Reichtum die Armen nicht: Er knipst nicht den Fernseher aus und sagt: ‚ich mag diese schrecklichen Bilder von leidenden Menschen nicht mehr sehen’ und lehnt sich gemütlich zurück. Er distanziert sich auch nicht von ihnen, stößt sie nicht weg – fort aus seinem Blick. Aus den Augen, aus dem Sinn. Er will die Armen nicht loswerden, wie die Deutsche Bahn AG die Obdachlosen von den Bahnhöfen, die dort um Suppe anstehen. Er nimmt nicht nur die Starken und Erfolgreichen wahr und eröffnet ihnen Chancen, um noch weiter zu kommen, wie im globalen Wirtschaftssystem die starken Regionen und Nationen. Er lässt sich nicht blenden von guten Börsenkursen und Megagewinnen, die vom Wohlstand zeugen sollen, den die Globalisierung angeblich weltweit schafft. Er durchstößt allen Scheinglanz von Reichtum, Klugheit und Macht, um die zu finden, die sich selber nicht helfen können, die nichts sind und haben und die am tiefsten angewiesen sind auf Barmherzigkeit.</p>
<p align="JUSTIFY">Was hülfe den Armen auch ein weiterer Reicher und Allmächtiger, der nichts von ihrem Leben kennt und versteht? Der Lichtjahre von ihnen entfernt meilenweit über ihnen steht? Ein weiterer, der wieder über ihre Köpfe hinweg plant und handelt? Gott lässt die Armen nicht im Stich, er nimmt die Menschen auf ihrer Strohschütte mit dem bisschen Nichts über dem Kopf wahr und legt sich in ihre Hütte. Von allen Menschen ist er ihnen am nächsten. Er gibt ihnen nicht bloß Almosen, sondern teilt ihr Schicksal, er wird selbst einer von ihnen und teilt ihre tägliche Pein. Er denkt und plant seine Befreiung der Menschen von ihnen her – da aus der Krippe heraus. Der ganze Glanz der Ewigkeit leuchtet aus der Geburtstätte der Ärmsten der Armen und erscheint über den Menschen in Armut – frohe Botschaft für die Armen.</p>
<p align="JUSTIFY">
<p align="JUSTIFY">Das ist auch frohe Botschaft für <span style="text-decoration: underline;">alle</span>. Gott lässt uns Menschen nicht allein mit unserer Unmenschlichkeit, unter der wir gerade in diesen Wochen so leiden – politisch und persönlich. Er lässt uns nicht allein mit dem, was uns quält und was uns fehlt, nicht allein mit dem, was wir anrichten, wie wir einander zurichten und seine gute Schöpfung entstellen. Er lässt uns nicht alleine mit der Unerfüllbarkeit unserer Träume nach Gerechtigkeit und Frieden, die uns arm macht. Er teilt die Schattenseiten menschlichen Lebens – die kleinen und die großen, die persönlichen, die gesellschaftlichen und die globalen. Er teilt unsere Brüchigkeit und Widersprüchlichkeit, unser Scheitern und unsere Enttäuschungen, unsere unerfüllten Sehnsüchte und erloschenen Träume, unseren Egoismus und unsere Gier. All das ist Gott nicht verborgen geblieben. Aber er stellt uns damit nicht bloß, nutzt diese Blößen nicht aus und verwendet sie nicht gegen uns, sondern nimmt sie an, wird selber nackt und bloß und hebt sie so in Liebe auf. Er hält an uns fest und rechnet uns nicht unser Versagen und unsere Schuld vor und zu: „Selbst schuld diese Menschen an ihrem Unfrieden und ihrer Ungerechtigkeit, was geht mich das an, was habe ich damit zu schaffen?“ So tun wir es gerne mit den Armen, mit den Obdach- und Arbeitslosen und so tun wir es gerne mit den Völkern, die unter Armut leiden. Er hebt die Schuldfrage in ihrer Bedeutung auf, indem er sie auf sich selbst nimmt: warum auch immer ihr arm seid – ich nehme es auf mich, ich trage die Konsequenzen mit!</p>
<p align="JUSTIFY">Darin offenbart er seine Größe und einzigartige Macht. Das ist das wahre Gesicht seines Reichtums: Verständnis und Güte, Gerechtigkeit und Liebe. Wer solchen Reichtum hat, teilt ihn nicht mit der Geste der Herablassung. Achtung, Liebe, Gotteskindschaft bringt er uns entgegen und stellt so unsere Menschlichkeit und unsere Würde wieder her. Er macht sich uns gleich, so werden wir wieder die, als die er uns geschaffen hat: Geschöpfe nach seinem Bilde, reich an Hunger nach Gerechtigkeit und Frieden, fähig zur Aufmerksamkeit für die Schwachen und Leidenden, fähig zur Liebe, zum Teilen, zur Gerechtigkeit und zum Frieden, reich an seiner Lebendigkeit, Zukunft, Hoffnung. Gottes Geschenk ist nicht begrenzt auf Weihnachten, sondern umschließt unseren Alltag. Gott kommt jeden Tag neu zur Welt, um Menschen reich zu machen, um sie von ihrer geistlichen und materiellen Armut, ihrer Trostbedürftigkeit und ihrem Leiden zu befreien und ihre Defizite an Barmherzigkeit und Zuwendung zu heilen. Er kommt in uns und durch uns erneuerte Menschen neu zur Welt und erneuert durch uns das Gesicht der Erde.</p>
<p align="JUSTIFY">
<p align="JUSTIFY">Denn Gott schickt uns mit diesem Reichtum, diesem Geschenk der Weihnacht in den Alltag des kommenden Jahres. Es ist ein Geschenk mit Konsequenzen. Um die geht es Paulus im 8.Kapitel des Briefes an die Korinther, aus dem unser Predigtvers entstammt. Es trägt die Überschrift: ‚Die Geldsammlung für die Gemeinde in Jerusalem’. Paulus erzählt der Gemeinde in Korinth von der riesigen Anstrengung, die die Gemeinden in Mazedonien unternommen haben, obwohl sie selbst arm waren, um der armen und leidenden Gemeinde in Jerusalem beizustehen: “Denn während sie durch schweres Leiden geprüft wurden, haben sie in überschwänglicher Freude trotz ihrer großen Armut reichlich gegeben und mit lauterem Sinn.“ Um wie viel mehr dann aber die reiche Gemeinde zu Korinth? An sie, die sich trotz eigenen Reichtums nur zögerlich an dieser Sammlung, die Paulus ein Liebes-, bzw. Gnadenwerk nennt, zu beteiligen scheint, wendet er sich mit den Worten: “Denn ihr kennt die Gnade/ das Gnadenwerk unseres Herrn Jesus Christus: obwohl er reich war, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich werdet.“ Erinnert euch an Gottes Gnadenwerk: den Ausgleich zwischen Gott und Mensch durch Mitleid und Anteilnahme und durch Teilgabe, der Weihnachten geschah. Es hat euch befähigt wieder eben solche Geschöpfe Gottes zu werden, die ihren Besitz loslassen können, um andere zu stärken. Ihr seid durch ihn reich geworden, habt von ihm einen Reichtum von der Sorte bekommen, der durch Teilen nicht verloren geht: Liebe, Aufmerksamkeit, Zuwendung, Gerechtigkeit. Das alles wird durch Teilen nicht weniger, in alledem sind wir gerade dadurch reich, das wir uns mit seinem Reichtum verschenkt wie Christus. Liebe ist die Fähigkeit, loszulassen. Wenn wir nicht nur etwas, sondern uns verschenken, werden wir reicher. Wir gewinnen im Geben. Wie Jesus und durch Jesus sind wir nicht für uns Reiche, sondern für andere Reiche. Nicht bloß, weil und wenn jemand anderes arm ist, wollen wir mit ihm teilen, sondern weil wir selbst reich gesegnet und beschenkt sind von unserem Gott mit einem Geschenk, das seine lebensspendende und zukunftsstiftende Wirkung im Weitergeben, im Teilen entfaltet. Durch Gottes Gnadenwerk/Liebeswerk in Jesus sind wir selbst befähigt zu solchem Liebeswerk. Fähig, zu sagen: warum auch immer ihr anderen arm seid, wir nehmen es auch als unsere Schuld an, wir nehmen es auf uns, und wir tragen die Konsequenzen mit. Und schaffen so einen Ausgleich, wie Paulus sagt: „Ich meine damit nicht, dass die anderen gute Tage haben sollen und ihr Not leidet, sondern es soll zu einem Ausgleich kommen. Euer Überfluss soll jetzt ihrem Mangel abhelfen, damit auch ihr Überfluss später eurem Mangel abhelfen kann, wie geschrieben steht (2.Mose 1,18): „Wer viel sammelte, der hatte keinen Überfluss, und wer wenig sammelte, hatte keinen Mangel“.</p>
<p align="JUSTIFY">
<p align="JUSTIFY">Der Hunger und das Elend wird dadurch nicht mit einem Schlage gewendet, die ungerechte Weltwirtschaftsordnung wird so nicht abgeschafft, dass in ihrer Mitte Christen den nahen und den fernen Nächsten weitergeben, was sie empfangen haben und so wenigstens einen Ausgleich schaffen. Gerechtigkeit auf Erden werden wir durch Solidarität und Ausgleichszahlungen, wie ich Kollekten und Spenden einmal nennen möchte, nicht herstellen – auch nicht, wenn es – wie Paulus fordert, mehr ist als nur vom ein bisschen vom Überfluss. Aber es macht einen Unterschied, ob arme Menschen im eigenen Land und in Afrika, Asien, Lateinamerika durch unsere Solidarität erfahren: wir sind nicht allein gelassen, der vergessene, letzte Dreck der Menschheit, sondern unser Schicksal wird gesehen, unsere Schreie nach Hilfe und Gerechtigkeit werden erhört. Jemand steht an unserer Seite, macht sich unser Anliegen und Geschick zu seinem/ihrem und rechnet uns unsere Armut nicht als unsere Schuld zu nach dem Motto: Die sind zu faul zum Arbeiten, zu dumm zum Organisieren etc.. Es macht einen Unterschied, ob sie erfahren: wir haben einen Platz am Tisch Gottes und wir haben ein Recht auf einen Platz an den Tischen der Welt. Und wenn sie durch eine selbstverständliche und nicht herablassende Art unserer Unterstützung erfahren, dass sie gleich würdig und wert sind, dass wir vor in der Gemeinschaft derer, die auf Gottes Liebe angewiesen sind, gleich arm und durch ihn gleich reich sind.</p>
<p align="JUSTIFY">Es macht einen Unterschied, ob Menschen, die warum auch immer arm sind, z.B. in der Spendenwerbung, als hilflose, erbarmungswürdige Wesen dargestellt werden, oder als Menschen, deren Gott sich bereits erbarmt hat, deren Gestalt und Schicksal er angenommen hat, mit denen er sich gleich gemacht hat. Dann sehen wir nicht zuerst die von Not entstellten Hilfsbedürftigen, sondern das Angesicht des Menschen nach Gottes Ebenbild. ‚Brot für die Welt’ legt darauf sehr viel Wert – schauen sie sich unseren Kalender am Ausgang daraufhin an!</p>
<p align="JUSTIFY">Es macht einen Unterschied, wenn wenigstens die Kirchen den Schein der heilen Wohlfahrtswelt infrage stellen, der gewahrt wird, indem die Armen als Spielverderber und Störenfriede, als selbst Schuldige diffamiert und aus dem Blick der Öffentlichkeit verjagt werden. Es macht einen Unterschied, wenn wenigstens wir Christen sagen: das Maß aller Ökonomie muss das Wohlergehen der schwächsten Glieder der Gemeinschaft sein. Wenn sie immer wieder laut und öffentlich die Armen ins Blickfeld und in den Mittelpunkt rücken. Wenn wenigstens die Kirchen gegen die Ausgrenzung und die krasse Chancenungleichheit ganzer Ländern, Regionen, Menschengruppen aus der globalen Ökonomie protestieren.</p>
<p align="JUSTIFY">
<p align="JUSTIFY">Um wie viel mehr wir, denen es an materiellem Besitz nicht mangelt, als jene, die selbst kaum etwas haben und doch so selbstverständlich teilen, wie ich es gerade in Kenia erlebt habe: da lassen Glieder einer bitterarmen Gemeinde jeden dritten Tag die karge einzige Mahlzeit des Tages ihrer Familie ausfallen, um davon die wachsende Zahl der Aidswaisen in ihrer Mitte zu ernähren. Wenn wir das Brot des Lebens täglich neu geschenkt bekommen, sollten wir da nicht wie selbstverständlich ‚Brot für die Welt’ geben können, dankbar geben wollen?</p>
<p>The post <a href="http://fuellkrug-weitzel.de/predigt-weihnachten-2001/">Predigt Weihnachten 2001</a> appeared first on <a href="http://fuellkrug-weitzel.de">Cornelia Füllkrug-Weitzel</a>.</p>]]></content:encoded>
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